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Wieder zu Hause

Lesezeit: 4 min
Ionovia

Seit dem 16.07. bin ich nun wieder zu Hause. Und ich muss sagen, die 9 Wochen und 2 Tage waren diesmal super hilfreich. Wie ja schon in meinem letzten Post geschrieben, war ich dieses Mal auf einer anderen Station und ich bin sehr froh darum. Zuerst war ich mir sehr unsicher, ob ich dort bleiben soll oder doch noch auf die Station vom letzten Mal wechseln soll. Doch im Laufe der ersten drei Wochen habe ich gemerkt, dass mir das Therapieangebot wesentlich besser gefiel als beim letzten Mal. Und deshalb bin ich dann auch dort geblieben. Und es war definitiv die beste Entscheidung.

Ich habe in den 9 Wochen so viel mitnehmen können für mich, ich habe soviel über mich erfahren – ich habe das Gefühl, mindestens zwei Schritte nach vorne gekommen zu sein. Und das ist ein sehr gutes Gefühl.

Besonders hilfreich war für mich die Ausdruckstherapie. Dort konnte ich mit Hilfe von Gegenständen ( Tüchern, Seilen ) das, was in mir vorging auf dem Boden ausbreiten. So habe ich es geschafft auszudrücken, was mich in den Wochen davor so aus dem Tritt gebracht hat. Ich habe mir so vor Augen führen können, dass mein "Funktionsmodus", wie ich gerne nenne, bei dem ich dachte, dass dort keine Gefühle mehr sind, doch noch Gefühle enthält. Allerdings nur noch die Gefühle "Hilflosigkeit", "Verzweiflung" und "Machtlosigkeit". Und mir wurde klar, was dazu geführt hat, dass ich wieder in diesen "Funktionsmodus" geschaltet habe, nämlich die Angst und die Traurigkeit, die ich empfunden habe, als ich den Suizidversuch einer Freundin in letzter Minute verhindern konnte. Dazu kamen auch wieder die Angst und die Traurigkeit hoch, die ich in einer ähnlichen Situation mit meinem Mann erlebt aber nie verarbeitet habe.

Und, einmal in diesem "Funktionsmodus" angelangt, nehme ich keinerlei Rücksicht mehr auf mich, was dann zu einer kompletten Überforderung führt, die mich körperlich und psychisch an den Rand des Möglichen bringt.

Doch das "bildlich" vor Augen haben, was in meinem Inneren vor sich geht, das hat mich unheimlich weiter gebracht.

Aber auch meinem Mann muss ich hier danken, denn er hat mir auch durch einen sehr bildhaften Vergleich geholfen, meine Situation besser zu verstehen. Und mit diesem Bild vor Augen konnte ich auch weiter arbeiten. So habe ich es dann auch in der Ausdruckstherapie geschafft herauszufinden, dass es für mich gar nicht nötig ist einen neuen Weg zu finden. Was ich damit meine? Mein "Bild", das ich vor Augen habe: Ich bin auf einem Hochplateau, der Weg dorthin ging über viele Jahre bergauf, mal mehr mal weniger steil. Doch nun steh da oben und bin verzweifelt auf der Suche nach einem anderen Weg, der mich wieder von diesem Berg runter führt. Doch in finde keinen. Und genau das, ist auch gar nicht nötig. Denn, das Einzige, was für mich nötig ist, ist eine "Sicherungsleine". Und die hab ich ständig bei mir, das ist nämlich "meine innere Stimme", so hab ich es genannt. Wenn ich auf diese Stimme höre, mir also Zeit nehme, ganz bewusst und regelmäßig auf mich zu achten, dann nutze ich diese "Sicherungsleine". Denn die passenden Haken und den nötigen Hammer, um die Haken in der Felswand zu verankern und die Sicherungsleine hindurch zu führen, die hab ich immer bei mir und kann sie jederzeit an jedem Ort benutzen.

Und als mir das klar wurde, da ist ein solcher Druck von mir abgefallen, das hätte ich niemals für möglich gehalten.

Aber, auch die anderen Therapien, die häufig in Gruppen waren, haben mir sehr geholfen.

Alles in allem kann ich sagen, dass der Aufenthalt für mich sehr erfolgreich verlaufen ist. Nicht nur, was die Therapie anbetrifft, sondern auch zwischenmenschlich.

Ich habe viele tolle Menschen kennengelernt, jeder mit seinen Stärken und Schwächen einzigartig und liebenswert.

Und – sollte ich nochmal einen Klinikaufenthalt benötigen, dann geh ich auf jeden Fall wieder auf diese Station.

Ionovia

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