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Viel ist passiert….

Lesezeit: 4 min
Ionovia

… seit dem ich das letzte Mal was geschrieben habe. Ein neuer Rock ist fertig genäht worden und am nächsten Oberteil bin ich schon dran. Meine Therapie hat begonnen – nach fast 5 Monaten Wartezeit! Aber dafür fühle ich auch sehr wohl bei meiner Therapeutin Frau W. Das Erstgespräch war wie üblich ein reines Informationsgespräch. Das zweite sollte eigentlich auch nochmal dazu dienen, die Fragebögen zu besprechen und die restlichen Informationen zu sammeln – hat auch fast geklappt! Sie hat an Hand der Fragebögen gleich den Punkt getroffen, der mir am Meisten Probleme bereitet. Ok, in meinen Augen macht das auch einen guten Therapeuten aus, der sofort weiß, was Sache ist.

Auf der einen Seite hab ich gedacht "oh man, das ging jetzt aber schnell", auf der anderen Seite hat es aber auch gut getan zu merken, dass ich mich nicht verstellen muss, dass ich keine Fassade aufrecht halten muss. Kann ich in einer Therapie eh nicht – aber es kostet mich immer wieder Überwindung, Emotionen zuzulassen, weil ich dann nach außen eben nicht mehr die "starke, alles meisternde" Frau bin. Aber dieses Zulassen tut soooooooooo gut – und ich weiß, dass es Frau W. nicht belastet, anders als bei der Familie oder Freunden.

Das Wissen, ich kann bei ihr mal alles loslassen kann, wieder lerne, mich selbst besser zu reflektieren, auf mich zu achten und mir nicht nen Kopp zu machen, wenn es nicht so klappt, wie ich das gerne hätte, geduldig zu üben, die alten eingefahrenen Verhaltensmuster zu ändern –  das tut einfach nur gut.

Das Erste, was ich für mich schon klar ausdrücken konnte ist, dass ich mich nur darüber definiere, was ich körperlich leiste (sprich Haushalt, Einkaufen, Wäsche u.s.w.). Alles, was emotional verarbeitet werden muss, das zählt für mich nicht als "leisten", das ist halt einfach so. Frau W. meinte dann nur zu mir: "Sie wissen schon, dass alles was emotional verarbeitet werden muss anstrengender ist, als ein Marathon?" Ich dann nur: "Hm, ok!"

Also werde ich jetzt erstmal daran arbeiten, auch die emotionale Arbeit auch als Leistung anzusehen – das ist die erste "Autobahn" im dichten Dschungel, die ich durch einen neu angelegten Trampelpfad ersetzen muss!

Ich bin froh, dass Frau W. mit "Bildern" arbeitet – denn das kann ich gut für mich umsetzen. Sie verglich die alten eingefahrenen Verhaltensweisen mit einer breiten Autobahn im dichten Dschungel. Die kennt man, die ist bequem zu fahren, man kennt alle Kurven. Doch – auf Dauer ist das nix, ein neuer Trampelpfad muss angelegt werden – und das ist erstmal mit ner Menge Arbeit verbunden. Denn ich muss jetzt erstmal mit der Machete durchgehen und das Dickicht wegschlagen, bevor ich überhaupt mal ein wenig vorwärts kommen kann. Und – dann muss ich immer wieder aufs Neue diesen frei geschlagenen Weg gehen, damit er sich langsam aber sicher zu einem Trampelpfad entwickelt. Also – viel harte Arbeit liegt vor mir.

Aber, Frau W. ermunterte mich auch, nicht zu  verzweifeln, wenn ich es nicht auf Anhieb schaffe, diesen Weg zu nehmen, sondern immer wieder nochmal auf die Autobahn ausweiche – solange ich es im Nachhinein merke, ist das ja auch schon ein Fortschritt.

Ich freu mich schon auf meine nächste Stunde – diesmal nehm ich mir aber ein Paket Taschentücher mit ^^

Ionovia

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