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Besuch einer lieben Freundin

Lesezeit: 4 min
Chamëleon & Ionovia

Wir hatten es vor zwei Wochen geplant und heute war es dann soweit. Eine liebe Freundin, die nun seit einiger Zeit wegen Demenz im Heim ist, war bei uns zu Besuch. Wir hatten alles organisiert, so dass sie gegen 14:00 von einer befreundeten Familie mit dem Auto abgeholt wurde. Und wir sind echt froh, dass es geklappt hat, denn vor ein paar Tagen ist sie schwer gestürzt und hat sich den Kopf so sehr angeschlagen, dass sie mit einigen Stichen genäht werden musste. Zum Glück hat sie sich dabei aber nichts gebrochen.

Ionovia hatte gestern drei Kuchen gebacken und heute haben wir uns davon gemeinsam etwas schmecken lassen. Dazu gab es leckeren Kaffee und ganz viele, tolle Gespräche und hatten einiges zu lachen. Außerdem haben wir gemeinsam mit ihr und unserem Sohnemann auch noch einen Film geschaut. Durch die Demenz kann sie leider nicht mehr zu den Kongressen mitkommen, also ist es für sie sehr schön, wenn sie etwas von dem Programm im Nachhinein mitbekommt. Da sie technisch nicht so versiert ist, kann sie sich die Filme nicht alleine aufrufen. Also übernehmen wir das – heute haben wir den biblischen Film Jona — eine Geschichte über Mut und Mitgefühl angeschaut und wir haben uns total darüber gefreut, dass wir diese gemeinsame Zeit hatten.

Wir haben uns noch viel über ihr Leben und ihre Erfahrungen unterhalten. Die Dinge, die schön waren, aber auch das was schwer für sie war. Und es ist immer wieder interessant, zu sehen, wen man so als gemeinsame Bekannte und Freunde hat – und wie lange man sich schon kennt. Im Übrigen ist ihre beste Freundin die Ehefrau unseres kürzlich verstorbenen lieben Freundes. Ein Kreis der sich da schließt.

Und wir redeten auch darüber, mit was sie heute so im Heim für Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Wir stellen uns das echt schwer vor, wenn man quasi den ganzen Tag mit Personen zusammen sein muss, mit denen man gar nichts anfangen kann – egal ob es nun ist, weil diese Personen total verbittert sind oder bereits so stark dement, dass sie nicht mehr zu einem Austausch fähig sind. Und das ist ja unabhängig davon, wie gut oder schlecht die Wohneinrichtung und das Personal sind. Beim Leben in einer eigenen Wohnung kann man jederzeit selbst entscheiden, mit welchen Nachbarn werde ich mal zum Essen ausgehen oder mich zum Kaffee trinken treffen. Oder welche Nachbarn lasse ich lieber links liegen, weil sie sie zu der Sorte 'unangenehme Zeitgenossen' gehören. In einem solchen Heim kann man sich das ja nicht wirklich aussuchen. Man ist darauf angewiesen die drei Mahlzeiten gemeinsam einzunehmen und auch noch bei verschiedenen Aktivitäten immer wieder mit denjenigen zusammen zu treffen, denen man sonst lieber aus dem Weg gegangen wäre.

Zum Glück ist unsere liebe Freundin bisher in der Lage, dass nicht zu sehr an sich heran zu lassen und mit den vielen Freunden, die sie regelmäßig besuchen, aus der Tristesse zu entfliehen. Und trotz der Demenz und den damit gesundheitlichen Einschränkungen ist sie mit ihren 87 Jahren noch so was von fit. Gegen 18:00 wurde sie von unseren Freunden wieder angeholt, damit sie noch rechtzeitig zum Abendbrot im Wohnheim ist und den ausgefallenen Mittagsschlaf etwas früher nachholen kann.

Am Sonntag werden wir sie wieder sehen – sicher mit vielen herzlichen Umarmungen. ❤

Chamëleon & Ionovia

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