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Psychotherapie light by Shiatsu-Tante

Lesezeit: 4 min
chameleon author

Wenn Chamëleon bei der Shiatsu-Tante ist, kann es das ein oder andere mal durchaus passieren, dass die Stunde eher zu einer "Psychotherapie light" wird. Also eine Gesprächsstunde mit einer Person, die keinen Psycho-Titel trägt, aber emotional und in der Bildsprache so nah an Chamëleon dran ist, dass sich mittlerweile wirklich vollends geöffnet werden kann. Tatsächlich auf einer ganz anderen Ebene als beim eigentlichen Thera. 

Und nachdem Chamëleon und die Shiatsu-Tante sich seit… zig Wochen… *Grübel… Kalender durchblätter* … dem 24.08. nicht mehr gesehen haben, war der heutige Termin eine solche Stunde. Schließlich ist so viel passiert in der Zwischenzeit: Begutachtung in der Schweiz, Klinikaufenthalt und massive Innenarbeit mit gravierenden Änderungen und Weiterentwicklungen in der Wahrnehmung des eigenen Systems.

Es hat extrem gut getan, mit ihr gemeinsam einen Rückblick auf diese Zeit, als auch auf die vergangenen Jahre der Entwicklung durchzuführen. Eine Zeitreise von 45 Minuten unter anderem mit der Feststellung, dass jedes Bild des Innens, dass man sich wählt, zu der jeweiligen Zeit passend ist. Sie fragte ob mir denn mit all den Änderungen nun etwas fehlen würde. "Ja", kam es sofort heraus. Was denn fehlen würde, fragte sie – ohne dass da eine Verwunderung in ihrer Stimme gewesen wäre.

Seit jeher war es für Chamëleon normal gewisse Dinge mit bestimmten Innens zu besprechen. Diejenigen sind zum Teil nun nicht mehr da. Sie waren zu diesem Zeitpunkt entweder Teil von mir oder Teil von anderen im Innen geworden. Auch wenn ihre Erfahrungen, Emotionen und Gedanken weiter Teil von Chamëleon sind, so ist es doch nicht mehr möglich sie direkt anzusprechen. Wenn ich jetzt nach Innen aus der Gewohnheit heraus nach einer bestimmten Innen frage, die vorher immer da war, ist es jetzt so, als ob ein Echo zurück kommt und ich muss mir klar machen, meine Frage an jemand anderen zu stellen. Dann bekomme ich durchaus eine Antwort… aber diese eine Ansprechpartnerin im Innen ist nicht mehr greifbar. Es ist keine Trauer dabei, selbst Wehmut wäre das falsche Wort. Und auch Vermissen passt nicht wirklich. Denn obwohl ich weiß, dass diejenige nicht da ist, überkommt mich zeitgleich ein wohlig-warmes Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit. Eigentlich kenne ich dafür kein Wort.

Dann stellte sie die Frage: "Was empfindest du, wenn du die Entwicklung siehst?"

"Ich bin zufrieden."

Sie hakte nach: "Nur zufrieden?"

"Ja, ich weiß, du möchtest 'Ich bin stolz' hören.", ein leichtes Gekicher: "Neeee, zufrieden."

"Ich merke schon, Lob annehmen ist heute schwierig, ne? Dann hebe ich mir das für nächste Woche auf. Dann kannst du dich mit den deinen schon mal drauf einstellen", und lächelte mich an. "Was brauchst du denn heute?"

"Es sind ja nun schon über 50 Minuten vorbei und ich habe schon bekommen was ich brauchte. Genau dieses Gespräch. Und nun wäre eine Umarmung ohne Lob zum Abschied noch gut."

"Das kann ich! Das bekomme ich hin, das Lob hebe ich ja wie gesagt für nächste Woche auf.", lächelte und umarmte Chamëleon wie nur sie es tut. Es ist nicht aufgesetzt. Es ist warmherzig und freundlich aber nie zu nah oder zu distanziert. Irgendwie anders als bei jeder anderen Person aber ähnlich einer Schweizer Begrüßung unter Freunden.

Und so geht es zufrieden und dankbar auf den Weg nach draußen in die warme Sonne, tief einatmen, kurz pausieren, genießen und dann mit viel Elan zu Fuß zu einem guten Freund. So gut kann sich eine "Psychotherapie light" auswirken.

Chamëleon

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