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'Plastik-reduziert' leben

Lesezeit: 8 min
chameleon author

In der letzten Zeit haben wir uns immer mehr mit unseren Konsum-Gewohnheiten auseinander gesetzt. Grund dafür ist, dass wir die Natur sehr schätzen und dementsprechend mit ihr umgehen wollen. Allerdings ist uns auch klar, dass es kaum möglich ist, auf alles zu verzichten, was irgendwie umweltschädlich ist. Da wäre es dann schon nötig, dass man irgendwo in der hintersten Walachei als Selbstversorger lebt. Also stellt sich die Frage: Was können wir tun?

Jeder muss natürlich für sich selbst einen Weg finden, wenn er seine bisherigen Gewohnheiten ändern will. Was für den Einen keine Einschränkung bedeutet, mag für den Anderen den absoluten Super-Gau bedeuten.

Eine Möglichkeit mag sein, die Verwendung von Einweg-Plastik zu reduzieren. Wir haben da in den letzten Wochen verstärkt drauf geachtet und konnten so schon einiges reduzieren. Von fast zwei Müllbeuteln mit Plastik auf unter einem Beutel in der Woche. Dabei haben wir tatsächlich erstmal nur diese Produktgruppe in der Küche in Angriff genommen und sind da noch nicht ansatzweise am Ende.

Mehrwegplastik bzw. Plastik-Küchen-Utensilien, die wir bereits Zuhause im Einsatz haben, haben wir nun also nicht ersetzt. Funktionierende Gegenstände aus Plastik weg zu werfen, kann dem Sinn und Zweck des ökologischen Umdenkens wohl nicht ausmachen. Wenn diese defekt sind, werden wir sie sicher durch umweltfreundlichere Varianten ersetzen, aber komplett 'Plastik-frei' halte ich in einer normalen Haushaltssituation für nicht machbar.

Der Fokus wird beim Ersatz solcher Haushalts-Utensilien dann auf nachwachsenden Rohstoffe liegen – das ist auch ein Grund, warum Einweg-Plastik da unser Kriterium ist. Zum Einen wächst Plastik nun mal nicht an den Bäumen sondern muss aufwendig hergestellt werden. Und Einweg-Plastik spielt bei der Füllmenge der Gelben Tonne eine ziemlich große Rolle. Zum Anderen sind die Recycling-Quoten der Verpackungskunststoffe immer noch alles andere als zufriedenstellend. Laut Umweltbundesamt liegt diese unter 50% (nur Holz wird weniger recycelt).

Stoffliche Verwertung Verpackungen 2016
Weitere Informationen auf der Webseite des Umweltbundesamtes.

Wenn wir hier zuhause also alle unsere Verpackungen zu 100% sortenrein ins jeweilige Recycling geben, werden dennoch nicht alle wiederverwertet. Ob das nun an Verunreinigungen, an der fehlenden Infrastruktur (also zu wenig Recyclinganlagen) oder aber daran liegt, dass sich gewisse Materialien leichter aussortieren lassen, lasse ich einfach mal dahin gestellt.

Was haben wir persönlich in der Küche / bei Nahrungsmitteln / Genussmitteln geändert?

Der nächste Laden für den unverpackten Einkauf ist hier leider über 30 Kilometer entfernt. Und so gut ich die Idee der Marktschwärmer finde, auch diese sind über 30 km entfernt. Eine Fahrt dorthin macht Ökobilanz-technisch nicht wirklich Sinn, daher müssen wir schauen, was es im normalen Handel lose, bzw. in umweltverträglicheren Verpackungen zu kaufen gibt.

Wurst (sofern wir denn überhaupt welche kaufen) und Käse lassen wir uns nun direkt an der Bedientheke / auf dem Markt in unsere seit Jahren zuhause genutzten (Kunststoff-)Dosen packen. Lieber haben wir den Wochen-Markt oder den lokalen Bauern-Markt, aber das ist für uns nicht immer sinnvoll machbar, da wir auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind und der Bauern-Markt so leider nicht erreichbar ist. Aber der Lebensmittelmarkt im Ort ist da mittlerweile auch sehr flexibel. Ebenso halten wir es auch bei Fisch.

Süßes im Glas
Süßes im Glas

Obst und Gemüse kaufen wir lose und packen sie in mitgebrachte Mehrweg-(Jute-)Netze.

Süßigkeiten kaufen wir zum Teil lose und packen sie vor Ort entweder in Gläser bzw. in Papiertüten. Und bei verpackten Süßigkeiten achten wir mittlerweile auf eine Papier-Umverpackung.

Getränke holen wir mittlerweile weitestgehend in (Mehrweg)-Glasflaschen. Ausnahmen bilden hier der Orangensaft und die haltbare Milch, die (noch) im Getränkekarton (Milch nicht im klassischen Tetrapak mit Alu-Beschichtung, sondern die umweltfreundlichere Version) gekauft werden. Bei der Milch gibt es in der Ökobilanz laut verschiedener Studien zwar kaum einen Unterschied zwischen Glasflasche und Getränkekarton, aber ich persönlich tue mich schwer damit, dass auch im besten Milchkarton immer noch eine Polyethylen-Schicht direkt mit der Milch in Kontakt kommt. Eventuell werden wir den Kompromiss 'Mehrweg-Glasflasche überregional' wählen anstelle von 'Milchkarton regional'. Einfach weil die andere Kombination hier nur selten zu finden ist. Der einzige Bauernladen, der das hier in der Region anbietet, hat leider nicht immer Milch da. Sobald ich einen vernünftigen 100% Orangensaft mit Fruchtfleisch in Glasflaschen finde, wir da auf jeden Fall auch umgestiegen.

Apropos Milchprodukte: Joghurt gibt es hier auch nur noch im Glas. Aber auch dort gibt es ein paar Produkte, die in sinnvoller Verpackung echt schwierig zu bekommen sind: Quark zum Beispiel. Im Übrigen ist es interessant, dass nicht immer die Großpackung weniger (Plastik-)Müll mit sich bringt. Da gehe ich aber gleich noch drauf ein.

Dinge für den langfristigen Vorrat holen wir wenn möglich in Weißblechdosen oder in Gläsern – dort sind die Recycling-Quoten entsprechend gut.

Mehl und verschiedenste Getreide holen wir entweder in der Papiertüte im normalen Handel oder bei der Mühle. Und aus den verschiedenen Körnern macht meine Frau immer wieder selbst Müsli und andere Backwaren.

Gekaufte Nudeln erweisen sich als Problem – die in Papier verpackten Sorten sind preislich doch ziemlich teuer. Aber zum Glück haben wir a) einen Pasta Maker und b) einen Dörrautomaten. So sind selbstgemachte / getrocknete Nudeln generell machbar.

Der Dörrautomat ist natürlich auch für das geliebte Trockenobst im Einsatz und alternativ gibt es bei uns recht häufig Frozen Grapes.

Großpackung = weniger Müll?

Nicht alle Produkte sind heutzutage ohne (Plastik-)Umverpackung zu bekommen – selbst wenn man denn einen der Unverpackt-Läden in seiner Nähe hat. Auf den ersten Blick mag es daher logisch klingen:

"Wenn ich eine Großpackung kaufe, produziere ich weniger (Plastik-)Müll, als wenn ich die gleiche Menge in kleineren Packungen kaufe."

Das stimmt natürlich in vielen Fällen, aber es gibt Ausnahmen. Das Umweltbundesamt weißt auf zwei Packungen hin, die das gut verdeutlichen.

Wenn man einen 10 kg Kunststoff-Eimer Quark kauft bedeutet das fast 100% mehr Kunststoff-Abfall, als 20 Packungen mit 500 gr Quark zu kaufen. Klar, der Eimer ist dick-wandiger, Deckel und Griff sind ebenfalls aus Kunststoff und oftmals ist noch eine Folie zur Versiegelung angebracht. Die kleinere Quarkpackung ist dünn-wandig und der Deckel besteht aus einer Aluminium-Folie. Das macht offensichtlich tatsächlich soviel aus.

Ok, die wenigsten Privathaushalte werden wohl einen 10 Kilo-Eimer Quark kaufen… Anders sieht es bei zweiten Beispiel aus:

Die 500 ml Squeeze-Flasche Ketchup durch 25 Tütchen mit je 20 ml Ketchup zu ersetzen, würde tatsächlich fast 30% weiger Kunststoff-Müll bedeuten. Aber ehrlich: Eine Glasflasche zu verwenden, bedeutet in dem Fall 99,9% Kunststoff einzusparen (im Deckel ist oben je nach Sorte noch Kunststofffolie angebracht) und hat zudem eine bessere Recycling-Quote. Zudem ist das Micro-Plastik-Problem damit auch runtergefahren. 😉

Was haben wir nun weiter geplant?

Erst einmal in der Küche weiter schauen, was da noch an Einweg-Kunststoffen bzw. Einweg-Materialien zum Einsatz kommt und ersetzt werden kann. Parallel gehen wir das Badezimmer an. Bei uns sind z.B. noch folgende Dinge im Einsatz (weil noch vorhanden) und wir müssen schauen, was im Detail dann für uns umsetzbar ist:

  • Frischhaltefolie / Alufolie >> Bienenwachstücher
  • Küchenschwamm >> Luffaschwamm (auch für die Körperpflege)
  • Küchenrolle >> waschbare Bambus-Küchenrolle / Leinen-Tücher
  • Plastik-Küchen-Utensilien >> Bambus- / Metall-Küchen-Utensilien
  • Plastik-Zahnbürsten >> Bambus-Zahnbürsten
  • Flüssigseife >> Feste Seife
  • Zahnpasta >> Zahntabletten
  • Duschgel / Shampoo >> Duschseife

Die Liste ließe sich sicher noch um einiges erweitern und eine solche Umstellung braucht auch einiges an Zeit. Eines bewirkt es aber bereits jetzt: Einen bewussteren Umgang mit den Rohstoffen.

Eine – wie ich finde – richtig gute Seite mit vielen Tipps rund um dieses Thema ist übrigens CareElite.

Chamëleon

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10 Kommentare

  1. Aaalso: Gutes Thema! Beschäftige mich schon sehr lange damit. Mein Öko-Fußabdruck ist verschwindend gering 😉 Ich habe kein Auto, ich fliege nicht, und auch bei Foodsharing kommen wir immer mit großen Behälter (ich meist mit meinem Einkaufsroller) um abzuholen, nebenbei sorgen wir für weniger Wegwerf-Lebensmittel und verteilen die an andere weiter und nutzen die selber. Und ja, Stromsparen natürlich (schon aus Kostengründen), Vermeidung von Plastik und ich mache mir viele Gedanken, wie ich selbst in meinem Haushalt das eingrenzen von überflüssigen Müll vermeiden kann. Z.Bsp. wenn wir irgendwo doch dünne Plastiktüten mitkriegen, waschen wir die nach Benutzung aus und verwenden sie mehrmals. Div. "Frauenartikel" versuchen wir auch auf andere Weise zu ersetzen z.Bsp. gibt es waschbare Slipeinlagen aus Bambus und/oder Baumwolle hergestellt – will jetzt nicht noch mehr in diese Details gehen ist für dich Ionovia vielleicht interessant 😉 da gibt es auch jede Menge unnötigen Müll. Was das Putzen anbelangt da bin ich schon seeeehr fortgeschritten. Das von mir verehrte Natron wende ich sowohl in der Gesundheitspflege (äußerlich z.Bsp. Bäder, Fußbäder, Waschungen..) als auch als Putzmittel – besonders in der Kombination mit Essigessenz an. Unlängst habe ich wieder ein Buch entdeckt z.Bsp: 280 Weisheiten rund um Natron. Ich schwörs liest sich spannender als jeder Krimi und so lehrreich. Da kommt man ohne all die Giftstoffe aus in den Putz- und Reinigunsmitteln aus. Natron ist das Mittel der Wahl gewesen früher zu Uromas- und Omas Zeiten – auch ein Beitrag zu weniger Gift in der Welt. Jetzt hör ich aber auf, will nicht Deine ganze Seite füllen. 😉

      1. Steht auch in diesem Buch – wie man Waschpulver herstellt – natürlich auch mit Natron, Schmierseife …. Verhältnis – Rezept such Dir es noch raus. Ich habe es selbst noch nicht ausprobiert, werd ich aber noch…. da war ich noch nicht Pionier – aber das Reinigungsmittel ist echt der Hammer. Tu mal eine verdreckte verkalkte Stelle im Bad aussuchen und streu das Natron-Pulver drauf und dann tu ein wenig Essigessenz drauf – Überraschung!!!! Berichte mir davon, wenn Du es ausprobierst, brauchst kein Bad und Kloputzmittel mehr. Bei Emaille klappt das nicht so gut – aber da find ich schon auch noch was.

  2. Hier noch die Schilderung meines meines selbst hergestellten Zahnputz-Mittel (hat noch den Nachteil, dass es nur bei Wärme gut rausgeholt werden kann, im Sommer hat es gut geklappt)
    Grundlage: natives Kokosöl – je nach Menge Natron – iss ja sehr basisch und damit Zahnstein verhindernd – ein wenig Schlemmkreide und zum Schluss noch ein bisschen Pfefferminzöl, wer mag – ist für den nachträglichen Geschmack.

    1. Danke dir für das Rezept. Wir hatten gesehen, dass es sowohl Tabletten als auch feste 'Zahnpasta' gibt, die jeweils ohne Plastik-Gedönze geliefert werden. Die werden wir zuerst ausprobieren. Natron ist ja immer so eine Sache rein geschmacklich gesehen… Ionovia hat auch schon selber Brause damit hergestellt. Des Weiteren ist laut meinem Wissen Natron etwas, was nur über die Nieren ausgeschieden wird und die Wahrscheinlichkeit von Nierensteinen erhöht. Aber ich bin da auch kein Fachmann 😀

      1. Hallo, also Natron wird nicht über die Nieren ausgeschieden sondern die Schlacken (Gifte) werden durch das hochbasische Natron gelöst und die Schlacke wird dann über die Nieren ausgeschieden. Wenn man es innwendig verwendet z.Bsp. in Form von Brause, dann werden zuviele Schlacken auf einmal gelöst und können dann nicht mehr schnell genug über die Nieren ausgeschieden werden, das heißt die Nieren wären dann überlastet und dann könnte das passieren. Natron würde ich nicht unbedingt trinken – ich mach eine Prise in meinen Morgenkaffee – neutralisiert die Säure darin – und man merkt gar nichts ist in so kleinen Dosen nicht zu merken. (auch geschmacklich nicht) Auch im Kuchen als Backhilfe gibt man ja nicht gleich Löffelweise Natron rein sondern als Prise. Ich wende es sonst nur äußerlich an (Haut, Fußbäder, Bäder) weil das bewirkt dass die Gifte gleich ausserhalb austreten können (über die Haut, Füße) und nicht über die Nieren abgeleitet werden müssen. Also ich habe die Bücher von Jentschura gelesen (ist Chemiker sehr empfehlenswert) hat darüber wirklich sehr ausführlich geschrieben, auch wie es im Körper wirkt.
        Ich habe schon mehrmals einen Vortrag über Natron und seine Wirkung gehalten (im Tauschring und in der Akademie für Ältere). Gern halte ich Dir auch einen am Telefon, danach brauchst Du nix mehr lesen – ich kann stundenlang darüber reden und ich lebe in der Praxis auch seit Jahren damit und habe jede Menge Erfahrungen gemacht. Ich mein das ernst. Aber Du solltest zumindest ein Buch darüber lesen… Innwendig solltet ihr das wirklich nicht mehr als prisenmäßig anwenden – das hat man früher so gemacht ich weiß, diese Brause steht in allen OmaBüchern. Wenn Du es äußerlich anwendest und Du dich gut ernährst – viel Vitamine und Mineralstoffe, kriegst Du nie und nimmer Nierensteine – keine Angst.

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