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Heiter bis Wolkig mit Aussicht auf Glückseligkeit

Lesezeit: 6 min
chameleon author

Boah, was für ein Titel! Da habe ich ja mal wieder einen raus gehauen… mal sehen, ob ich in dem Beitrag halten kann, was die Überschrift verspricht. Es ist tatsächlich so, dass die Schmerzen immer wieder mal alles bewölkt erscheinen lassen. Und da Depressionen auch bei einem gut aufgestellten Traumapatienten nicht einfach so für immer verschwinden, zeigen die sich die 'Wolken' bei mir an solchen Tagen auch tiefgrau.

Die Schmerzen sind tatsächlich auf einem Level, dass alles andere als erträglich ist. Ich habe nun täglich 300 mg Celebrex intus – damit ist es 'überlebbar'. Doch jedes Mal, wenn die Wirkung nachlässt ist es wie ein Faustschlag und die Schmerzen scheinen schlimmer zu sein als vorher. Wahrscheinlich nur, weil es so eine Erleichterung ist von einem Level 80 auf Level 50-60 herunter zu kommen.

Doch auch wenn mich die Schmerzen so richtig plagen, ist das Grau nur eine temporäre Erscheinung. Ich versinke dann nicht für gefühlte Ewigkeiten im Selbstmitleid. Es ist eine kurze Zeitspanne, die mir meine mittlerweile überwiegend 'heitere' Lebenswahrnehmung trübt.

Denn tatsächlich ist es trotz der – für Außenstehende schier unüberschaubaren Vielzahl an 'Wehwehchen' und Symptomen – gar nicht so schlimm, wie diejenigen scheinbar annehmen. Nicht etwa weil es mir nichts ausmacht, weil ich abgestumpft wäre oder weil ich die unbedingt haben will. Ich habe mich im Laufe der Jahre mit vielen Dingen arrangiert. Einiges nehme ich dabei nicht mehr als Einschränkung wahr. Und ein paar Dinge – die ursprünglich rein negativ waren – sind mit ursächlich für positive Eigenschaften, gute Charakterzüge und die Bereitschaft das Leben auf diese mir eigene Art anzugehen.

Ich versuche meinen Worten auch Taten folgen zu lassen, zu meinen Überzeugungen zu stehen und anderen ihre Meinung zu lassen. Ich empfinde mich selbst mittlerweile meist als glücklich. Schwerbehinderung, Erwerbsunfähigkeit, Traumata, Diagnosen, Erkrankungen ändern daran nichts. Im Gegenteil: Jeder gute Moment wird von mir doppelt und dreifach wertgeschätzt.

Die Moment, die nicht gut sind, sehe ich tatsächlich als solche grauen (bis tiefschwarzen) Wolken an: Sie werden durch die Zeit weggeweht. Sie sind schon nach kurzer Zeit nicht mehr da. Und ich muss dann nicht in der Ecke stehen und traurig sein, weil sich ja sicher schon bald wieder die nächste Wolke vor die Sonne schieben wird. Ich nehme die Wolken als gegeben an, weiß, dass sie kommen und gehen und genieße den Sonnenschein dazwischen.

Ihr kennt sicher diesen 'abgedroschenen' Spruch: "Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende." Tatsächlich bin ich genau davon aber überzeugt – davon, dass letztlich alles gut werden wird.

Alle die vergangenen negativen Dinge sind eben genau das: Vergangen. So wie wenn echte Wolken ihren Regen ablassen und danach verschwinden, sind meine Erlebnisse vergangen, aber es sind weiterhin die Auswirkungen bis zu einem gewissen Grad vorhanden. Und so wie der echte Regen auf lange Sicht gesehen immer auch was positives mit sich bringt – Wachstum und Aufblühen – so bringen auch alle vergangenen Dinge für mich ein Wachstum mit sich. Aus Übermengen an Wolken und schier endlosem Regen ist hier langsam, klein und zart etwas Neues erwachsen.

Und was bin ich im Laufe der Jahre gewachsen! Vom Materialismus zum Idealismus. Vom Egoismus zum Altruismus. Von der Mimese zur Authentizität. Von unangebrachter Überheblichkeit zu angemessener Bescheidenheit. Und im Laufe der Jahre habe ich zu einem recht guten Mix aus Empathie und Ekpathie finden dürfen. Ich sehe all diese Veränderungen an mir und nehme sie positiv wahr. Ich weis auch, dass ich keine dieser Eigenschaften in Perfektion aufweise – aber ich weise sie mittlerweile auf. Und ich bin bereit weiter daran zu arbeiten, diese Eigenschaften noch ausgewogener an den Tag zu legen. Ich bin bereit, dass was nun gewachsen ist, richtig aufblühen zu lassen.

Wem habe ich diese Entwicklung zu verdanken? Nicht in erster Linie mir selbst. Es sind sicher viele Bausteine, die da zueinander gehören – so wie ein Haus eben nicht nur aus einem einzelnen Stein besteht. Die für mich aber Präsentesten sind mein Glaube und meine Frau aber auch die vielen Therapeuten. Mein Glaube gab mir immer wieder den Antrieb an mir zu arbeiten, mich zu verbessern, mich zu bemühen menschlicher zu werden – Schwächen einzugestehen, Hilfen anzunehmen. Und meine Frau bietet mir immer wieder Möglichkeiten das Erlernte anzuwenden. In ihrer liebenswerten Art holt sie aus mir immer wieder das Beste hervor.

Wenn ich zurückblicke auf gut 25 Jahre Vollzeit-Berufsleben, so war ich immer jemand, der von sich und anderen alles forderte und als totaler Hardliner daher kam. Vieles, was andere damals an mir 'schätzten' war nur aufgesetzt (natürlich nicht alles), ich sah mich als besser als andere an und ihnen überlegen. Hatte ich doch mehr Wissen, mehr Fähigkeiten und konnte Dinge tun, die anderen völlig schleierhaft waren. Dennoch war ich ein Blender. Ich präsentierte Mimese in Perfektion. Nur ganz wenige Menschen schafften es hinter meine Fassade zu schauen. Nur wenige erkannten, wie fragil mein Inneres zu der Zeit war. Wie verletzt und wie aufgesetzt die Mauer war – ich selbst konnte und wollte es nicht wahr haben. Erst durch einen totalen Schock im Leben wurde das anders. Als damals alles, was hinter Masken und Mauern versteckt war heraus brach, schien es für misch nur schwarze Wolken zu geben – und wäre damals mein Engel Ionovia nicht in mein Leben geführt worden, wären sie sicher nie wieder weggegangen.

Sie hat mir geholfen wieder die Sonne zu sehen und sie gibt mir bis heute immer wieder Grund, nach der Sonne ausschau zu halten. Sie teilt alles mit mir und ich mit ihr. Wir Leben füreinander, miteinander, beieinander – wir sind eins… Und das aus dem Mund eines Menschen mit der Diagnose 'Dissoziative Identitätsstörung (vollständig fusioniert)'!

Und das Wissen, mit ihr für immer zusammen zu sein, bringt mir diesen Ausblick auf Glückseligkeit.

Chamëleon

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6 Kommentare

  1. Es ist Dir gelungen Deiner Überschrift in diesem Beitrag gerecht zu werden. Und es freut mich, dass Du so tapfer mit Deinen Körperschmerzen umgehst und noch soviel Zuversicht schaffst. Das ist ein Meisterwerk!
    So blöd es klingt (Du weißt von mir ja, dass ich mich mit Körperschmerzen ja auch sehr auskenne) aber Schmerzen können einen auch 'läutern'. Das ist ein blödes Wort – heute fast nicht mehr gebräuchlich und im Wörterbuch habe ich folgende Synonyme gefunden:
    "sich bekehren, sich bessern, besser werden, ein anderer Mensch werden, reif werden, sich verändern; (gehoben) Einkehr halten, reifen, sich wandeln, aufbereiten, klären, reinigen, säubern, von Verunreinigungen befreien; (bildungssprachlich) purifizieren; anders werden lassen, besser machen, bessern; (gehoben) wandeln"#

    'Läuterung' fiel mir als erstes zu Deinem Beitrag ein – nicht dass ich finde, dass Du sowas nötig hast – (beileibe nicht) aber es ist meine Erfahrung, die mir bei meinen Schmerzen begegnet ist.
    Es ist ja auch ein religiöser Begriff und passt hier finde ich gut. Schmerzen machen etwas mit uns, teilen uns etwas mit, lehren uns manchmal wenn wir uns ihnen stellen oder stellen müssen.
    Ich wünsch Dir, dass Deine Schmerzen jeden Tag besser, leichter werden!!!!

  2. Eine wirklich schöne Entwicklung und ein wunderbarer Beistand der Frau.
    Die Hoffnung auf das Ende ist hier auch sehr groß.
    Wir wünschen Dir weiterhin auszuharen, zumal diese Schmerzen kaum zurück gehen können, auch wenn ich es dir von Herzen wünsche, dass es besser wird.
    Alles Liebe euch beiden ❤️

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