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Hai in Leber

Lesezeit: 5 min
chameleon author

Nein, es handelt sich hierbei nicht um eine besonders ungewöhnliche isländische Spezialität. Vielmehr ist es eine der aktuellen Erkenntnisse der gestrigen Shiatsu-Therapie.

Der nicht völlig uninteressierte Leser hat vor einiger Zeit meinen Beitrag zur Sprache der 5 Tiere mitbekommen. Und wer das noch auf dem Schirm hat, bzw. nun einmal quer-liest, wird schnell den Hai (wieder)finden.

Diese Personengruppe, deren Hauptgedanke darin besteht: "Was habe ich davon, dass es andere Menschen gibt"? Personen, die auf eine Frage wie: "Darf ich Ihnen einen Frage stellen?" mit diesem bestimmten Tonfall so etwas antworten wie: "Ja, eine darfst du – genau eine!"

Während der Shiatsu-Behandlung ging es diesmal auch an die Leber. Denn Massagen oder Druckpunkte an diesem Organ verringern Kopfschmerzen und Blutdruckbeschwerden und verstärken die Gelassenheit.

Alle drei Punkte haben mir in den letzten Tagen einige Schwierigkeiten bereitet – entweder weil sie zu stark da waren (die ersten Beiden) oder zu wenig (die zuletzt Genannte). Damit die gewünschten Effekte eintreten, wird die Leber sozusagen massiert und diese sozusagen 'geöffnet'. Details dazu kann man sich auf dutzenden von Webseiten anlesen, wenn man das unbedingt möchte.

Die Leber wird in der chinesischen Medizin auch als der General bezeichnet, der entscheidet was als nächstes zu tun ist und was in Bewegung gebracht werden soll. Und meine Leber reagiert auf den Versuch der 'Öffnung' mit deutlicher Hai-Sprache: "Du klopfst an um hier rein zu kommen? Klopfen darfst du – genau ein Mal!" Und dicht. So wirklich von Erfolg gekrönt war das ganze diesmal also nicht.

Im Laufe der Therapie fragte die Shiatsu-Tante dann noch mal über einen Punkt nach: Wenn sie an den Leber-Meridian geht habe ich in der Vergangenheit geäußert, dass mir das Angst macht. Bei ihr kommt aber nicht Angst, sondern Trauer bzw. Verlust an. Durch genaues Besprechen wurde mir klar, dass die Angst auf der Trauer sitzt. Ich selbst habe also das Symptom 'Angst' wahrgenommen, aber die Ursache nicht Trauer/Verlust zugeschrieben. Ich habe Trauer und Verlust bisher als etwas davon Getrenntes verstanden. Klar habe ich Trauer erlebt und auch die Emotionen diesbezüglich für den jeweiligen Moment zugelassen.

Die Angst vor dem Verlust von Menschen die mir wichtig sind, fußt aber nicht auf der Angst, sondern entspringt der Trauer / dem Verlust.

Ihr Rat: "Zelebriere die Trauer". Was sie damit meint: Wenn jemand z.B. Depressionen hat, ist es kontraproduktiv sich deswegen (im Vorfeld oder während dessen) verrückt zu machen. Es geht aber auch nicht darum, alles nur positiv zu sehen. Im Gegenteil, die Shiatsu-Tante reagiert mittlerweile ziemlich allergisch auf Konzepte, die einem mitteilen, es wäre immer nur alles eitel Sonnenschein. Man müsse sich nur auf Positives forcieren und Licht hineinlassen. So ein Mumpitz!

Ihr Vergleich: Wenn ein Haus in absoluter Messi-Manier zugemüllt ist, nutzt es nichts, das Licht an zu machen und die Fenster auf zu reißen. Der Messi muss wahrnehmen, dass in dem Haus Müll liegt. Er muss den Müll Stück für Stück hinausbringen, wenn er denn will, dass sich was an der Situation ändert. Und wenn er dieses Herausbringen nicht zelebriert, wird er seine Einstellung nicht wirklich ändern. Er wird selbst wenn das Haus komplett entmüllt wurde, wieder anfangen das Haus mit dem gleichen Schrott zu zu stellen.

Wie zelebriert man Depressionen, Trauer, Verlust oder anderes, was einem die Freude am Leben raubt?

Indem man sie erkennt, für sich annimmt und dann umsorgt. "'Oh, da kommt eine Depression auf' – dann nimm dir die Zeit die du brauchst für diese Depression. Das können durchaus auch mehrere Tage sein, die man für sich in Gemeinschaft mit der Depression braucht. Und auch Trauer muss zelebriert werden. Und eben nicht nur einmal. Wenn Trauer wieder aufkommt, dann nimm sie an, schaffe dir ein Umfeld, wo du die Trauer dann zelebrieren kannst. Natürlich ist eine Depression oder Trauer scheinbar etwas Doofes – aber sie hat ja eine Ursache. Nimm dir das Recht, diese Trauer zu haben, für die benötigte Zeit hinzufühlen und sie zu umsorgen. Schaffe dir Rituale im Alltag. Wenn dir kalt ist kannst du dich zitternd und schmollend in die Ecke setzen – das wird nichts an der Tatsache ändern, dass du frierst. Wenn du nur einfach die Heizung hoch drehst, wird dir zwar warm, aber wahrscheinlich wirst du weiter schmollen, dass es so kalt ist. Nimmt du dir aber Zeit, machst dir einen heißen Kakao mit einer großen Portion Sahne, mummelst dich in deine Kuscheldecke ein und machst dir deine Lieblingsmusik an, dann zelebrierst du die Kälte."

Ich habe das Prinzip verstanden, es macht Sinn und auch die dazu passenden Emotionen werden bei mir ausgelöst. Ich habe in der Vergangenheit Trauer mal für eine gewisse Zeit zelebriert, aber beim erneuten Aufkommen im Alltag dann doch wieder zur alten Methode des Wegdrückens gegriffen. Es ist weiterhin ein Lernprozess.

Für heute schaue ich mal, wie ich meinen 🦈 in der Leber zelebrieren kann. Ob er wohl einen ☕ mag?

Chamëleon

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