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Fonds…

Lesezeit: 7 min
chameleon author

Viel mehr als dieses eine Wort muss ich wohl kaum schreiben und die meisten Leser hier wissen sofort, was gemeint ist. Im letzten Jahr habe ich nach wiederholtem Schreddern eines ausgefüllten Antrages mich überwinden können, den vierten herum liegenden Antrag abzusenden.

Einen Monat hatte ich nochmal gebraucht, um diesen Schritt zu gehen. So dass am 15.10.2019 mein Antrag letztlich beim Fonds einging.

Dann erhielt ich ende März eine E-Mail. ob ich mit der Zusendung des Bescheides per E-Mail einverstanden wäre. Nach meiner Bestätigung, erhielt ich am 01.04.2020 meinen Feststellungsbescheid mit der Information, dass ich generell einen Anspruch habe, mir aber ein gesonderter Bescheid mit der genauen Bewilligung zugehen würde.

Das dauerte dann noch einmal 17 Tage. Dann hielt ich den Bescheid in den Händen: Bewilligung in Maximalhöhe für alle angeforderten Leistungen. Das hat mir ein Gefühl der Gerechtigkeit vermittelt. Es wird anerkannt, dass ich einen Anspruch auf solch unterstützenden Leistungen habe. Aber der Hinweis darauf, dass werde anerkannt wird, dass diese Dinge geschehen seien, noch dass in Frage gestellt wird, dass sie geschehen seien, ist dann doch ein wenig seltsam anmutend. Auch wenn ich den rechtlichen Grund für eine solche Aussage verstehen kann.

Diese Entscheidung stellt keinen rechtlichen Nachweis darüber dar, dass die Tat überhaupt oder durch eine bestimmte Täterin bzw. einen bestimmten Täter begangen wurde. Insbesondere beinhaltet diese Entscheidung keinen Wahrheitsbeweis in Bezug auf die Straftatbestände der §§ 185, 186, 187 des Strafgesetzbuchs (Beleidigung, Üble Nachrede, Verleumdung). Dies bedeutet aber nicht, dass die von Ihnen im Antrag als erlitten angegebenen traumatischen Erfahrungen in Zweifel gezogen werden.

Fonds

Es hat sich aufgrund der Corona-Pandemie dort im Ablauf das ein oder andere geändert. In einem der beigefügten Infoblätter steht dann nun auch folgendes drin:

Erstattung der Kosten: Sie zahlen die Rechnungen selbst und lassen sich die Kosten von der Geschäftsstelle FSM erstatten. Hierfür können Sie das belegfreie Abrechnungsverfahren nutzen. Das Abrechnungsformular können Sie auch nutzen, um Kosten im Voraus geltend zu machen. Sie müssen dann nicht in Vorleistung gehen.

Fonds

Okay… Also das Formular herausgesucht und die Informationen auf der Webseite des Fonds dazu gewälzt. Wirklich weiter gebracht hat mich das nicht. Es hat eher für Unsicherheiten gesorgt. Also habe ich nachgefragt. Erstmal telefonisch: Da kann ich Ihnen keine Auskunft zu geben, außer dem, was auf der Webseite steht. Aber selbst eine schnöde E-Mail kann beim Fonds nicht 'zügig beantwortet werden. Am 01.05. habe ich über das Kontaktformular gefragt, wie das abläuft mit der Vorausleistung, da man ja nicht genau auf einen Cent sagen kann, was eine bestimmte Sache zu dem Zeitpunkt kosten wird, wenn das Geld ausgezahlt wird. 8 Wochen wurden als Zahlungszeitraum auf der Webseite angegeben. Bis heute habe ich auf diese Kontaktanfrage keine Antwort erhalten.

Am 07.05.2020 habe ich dann eine E-Mail geschickt und einfach mal das Abrechnungsformular ausgefüllt. Ich bin von den EVK des Herstellers ausgegangen um die Gelder einzufordern. Schließlich ist es nicht allzu wahrscheinlich, dass die Dinge, die ich davon holen möchte, im Laufe der Zeit teurer werden. Ich muss nicht erwähnen, dass ich weder eine Eingangsbestätigung, noch sonst irgendeine Reaktion erhalten habe, oder?

Heute habe ich dann mal wieder nachgeschaut, wie denn so die Bearbeitungszeiten sind.

Bearbeitungsstände

Hier erhalten Sie Informationen zu unseren Bearbeitungsständen für Anträge und Rechnungen. Die Angaben beziehen sich jeweils auf den ältesten unbearbeiteten Vorgang aus der Kategorie. Angesichts der durch die Covid19-Pandemie ausgelösten Sondersituation kann es dazu kommen, dass Vorgänge mitunter unbearbeitet bleiben, weil notwendige Unterlagen nicht digital vorliegen und der Vorgang daher vorübergehend nicht weiterbearbeitet werden kann. Gleichzeitig werden fortlaufend aus allen Kategorien Vorgänge deutlich jüngeren Datums bearbeitet, zu denen alle Unterlagen digital verfügbar sind.

[…] Wir bearbeiten derzeit (Aktualisierungsdatum: 04.06.2020):

Erstanträge mit Eingang ab Oktober 2019
Rechnungen mit Eingang ab November 2019

Außerdem bearbeiten wir derzeit (Aktualisierungsdatum: 12.05.2020):
Änderungs- und Ergänzungsanträge (zu Erstanträgen bis 31.07.2018) mit einer durchschnittlichen Bearbeitungsdauer von 14 Monaten
Änderungs- und Ergänzungsanträge (zu Erstanträgen ab 01.08.2018) mit einer durchschnittlichen Bearbeitungsdauer von 10,5 Monaten .

Fonds

Ah ja… wenn sich dort irgendein Fall von November 2019 in der Warteschleife befindet, weil Daten fehlen (was offensichtlich der Fall ist), bedeutet das nicht, dass ein Antrag späteren Zeitpunktes, der vollständig ist, nicht gerade bearbeitet wird.

Einfach zusammengefasst hätte man auch schreiben können: 'Sie erhalten hier keine Information, die irgendeinen Mehrwert für Sie hat.'

Wäre es nicht bei Weitem viel, viel… sogar ausschließlich sinnvoll anzugeben, bei welchem Datum man sich mit der generellen Bearbeitung befindet und darauf hinzuweisen, dass noch ältere Fälle unbearbeitet sind, weil unklar?

Hier eine Vorlage zur lizenzfreien Verwendung durch den Fonds, wenn er denn das hier lesen sollte:

Digital eingegangene Erstanträge: ab XX/2020
Nicht digitale Erstanträge: ab XX/2019

Digital eingegangene Rechnungen/Vorauszahlungen: ab XX/2020
Nicht digitale Rechnungen: ab XX/2019

Des Weiteren gibt es einzelne Anträge und Rechnungen älteren Datum, die aufgrund fehlender Informationen oder Unklarheiten nicht bearbeitet werden können.

Wenn Sie feststellen, dass Sie auf die Bearbeitung eines solchen Antrages oder Rechnung warten, empfehlen wir, die fehlenden Informationen digital nach zureichen, um die Bearbeitung schneller durchführen zu können.

Vorschlag von Chamëleon

Das würde allen zumindest klar machen, dass ihre aktuelleren digitalen Anträge schon in Bearbeitung sind. Aber leider funktioniert die Kommunikation ganz offensichtlich nur sehr rudimentär… Man soll wohl einfach mit halben Informationen zufrieden sein…

Wie dem auch sei: Ich habe also nun keine Ahnung, wann ich meine mir genehmigten Hilfsmittel endlich erhalten kann. Denn ein Anschaffung in der Höhe, die der Fonds bewilligt, werden wohl die wenigsten Betroffenen erstmal aus eigener Tasche auslegen können. Um dann eine unbestimmte Anzahl von Monaten darauf zu warten, ob das Geld zurückgezahlt wird. Gibt es Betroffene, die solche Summen vorschießen können? Wenn ja, bitte bei mir melden, dann kann der-/diejenige gerne auch für mich vorschießen 😉.

Ansonsten muss ich wohl oder übel darauf warten, dass die Gelder vom Fonds irgendwann bei mir ankommen und ich dann endlich das an Dingen tun kann, was mir hilft meine emotionale Stabilität weiter zu festigen und die Dinge zu bearbeiten, die ich noch auf meinem 'Zettel' habe.

Auch wenn ich dankbar bin über die Möglichkeit und den Zuspruch der Leistungen – diese Unklarheiten und das in der Schwebe hängen sind nicht gerade förderlich.

Chamëleon

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2 Kommentare

  1. Für mich ist neu, dass es überhaupt digital geht? War doch der Antrag zum Ausdrucken gedacht und Anhänge, zB Ablehnungen der Krankenkasse braucht es auch teilweise. Heißt digital, ich könnte einen Änderungsantrag per Mail schicken? Hast du dazu was gelesen? Liebe Grüße…

    1. Artikel auf der Seite des Fonds:

      "[…] Die Geschäftsstelle FSM stellt sich darauf ein, indem die bestehenden Verfahrensweisen vor dem Hintergrund der neuen Situation überprüft und den geänderten Umständen anpasst. Ziel ist es, durch eine weitgehende Umstellung auf papierlose Verfahren eine elektronische Bearbeitung auch von außerhalb der Dienststelle zu ermöglichen und damit Verzögerungen zu vermeiden. […]"

      Und da gehört dann der folgende Link zu https://fonds-missbrauch.de/aktuell/einreichen-von-antraegen-auch-per-e-mail-moeglich/ wo es auszugsweise heißt: "Ab sofort können Sie Anträge auf Hilfeleistungen an den Fonds Sexueller Missbrauch auch per E-Mail bei der Geschäftsstelle FSM einreichen."

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