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BbdM: Was macht euch Freude?

Lesezeit: 14 min
chameleon author

Auf dem Blog von Seelensplitter wurde wieder der Blogbeitrag des Monats aufleben gelassen. Das für den Monat März ausgeloste Thema ist dabei so interessant, dass ich mich daran gerne Beteiligen möchte.

Das Thema im Ganzen lautet:

Was macht euch Freude? Habt ihr Hobbys oder irgendwas, dass euch am Leben hält? Oder ein Lebensziel fernab von Trauma und Heilung?

Schnell beantwortet, könnte ich wahrscheinlich so Dinge in den Raum werfen wie: "Zeit, Familie, Computer, Pilze, Kreatives und meine religiösen Überzeugungen. Ein System in dem alles gut sein wird." Damit hätte ich alle drei Fragen erschlagen und sogar wahrheitsgemäß beantwortet.

Aber es ist wirklich ein großes und umfassendes Gebiet, dass sich auftut, wenn man sich intensiv mit diesen Fragen beschäftigt.

Und ich denke, dass diese drei Fragen und die dazu gehörigen Antworten es wert sind, genauer betrachtet zu werden.

Was macht mir Freude?

Ja, es macht mir Freude mit meiner Frau und meiner Familie zusammen zu sein – aber vielmehr macht mir Zeit generell Freude. Ich finde Zeit ist ein so tolles Geschenk! Und sie ist so wertvoll! Zeit, die ich bewusst wahrnehmen und verwenden kann. Ich schätze die Zeit, die ich mit Familie, Freunden, Bekannten verbringen und für Bedürftige einsetzen kann. Aber tatsächlich ist es ziemlich egal, um was es sich handelt, was ich bewusst in diese Zeit hineinpacke. Egal ob es sich dabei um klassische Hobbies handelt oder auch das 'herumgammeln'.

Es ist eben der Punkt bewusste Entscheidungen zu treffen, bezüglich dessen was ich tue. Das bringt die Freude mit sich. Zum Teil die Freude, weil mir etwas gelingt, bzw. ich etwas (er)schaffe.

Es geht dabei um den Gedanken, dass ich Dinge so annehme, wie sie kommen und dann entscheide, was ich damit tue.

Es ist ein feiner aber doch wichtiger Unterschied zwischen den Aussagen: "Es ist wie's ist." und "Es kommt, wie es kommt." Die erstgenannte Aussage macht wirklich keine Freude. Es ist eine Resignation die da mitschwingt: 'Es ist halt so. Ich kann da nichts dran ändern, also muss ich damit leben'. Die zweite Aussage dagegen zeigt auf, dass man Wahlmöglichkeiten hat: 'Eine Sache kommt auf eine bestimmte Art und Weise und ich kann mich nun entscheiden wie ich damit umgehe und wie ich es nun beeinflusse'.

Wenn also an einem Tag mein Tinnitus besonders stark da ist, gäbe es natürlich die Möglichkeit, darüber zu meckern, dass es da so laut am Pfeifen ist – mich darüber aufzuregen und mit der Welt zu hadern. Aber würde mir das Freude bringen? Sicher nicht. Das Gegenteil wäre der Fall: Ich würde mir die Freude an anderen Dingen nehmen. Nun höre ich den Tinnitus, stelle fest, dass er ziemlich laut pfeift und lasse ihn einfach da sein. Ich kann dennoch am PC sitzen, spielen, schreiben, essen, trinken, TV schauen, mit meiner Frau reden, mit dem Hund raus gehen, den Sohn in die Arme nehmen, usw.

Wenn meine Schmerzen mal wieder auf das Maß steigen, dass ich zusätzliche Mittel nehmen muss, dann ist das halt so. Ich nehme es wahr, und entscheide mich dann bewusst, etwas für den punktuellen Schmerz zu nehmen. Dann kommt es halt so – ich werte es nicht mehr (wie früher): "Mist! Schon wieder so dolle Schmerzen, du kannst doch nicht schon wieder XYZ dagegen nehmen."

Wenn ich ohne Energie oder Lust auf irgendwas bin, dann nehme ich das so an und schaue, wie ich damit umgehe. Entweder ich definiere den Tag dann als Freizeit-Tag, oder ich schaue welche Dinge ich vorher noch erledigen kann und zelebriere dann den weiteren Tagesverlauf.

Das Wort 'Zelebrieren' brachte die Shiatsu-Tante ins Gespräch. Oftmals ist man durch Erziehung, Kultur und Erlebtes so 'eingenordet', dass man nicht schaut, was man benötigt, sondern was andere von einem erwarten. Wenn man also etwas für sich tut, schlägt sofort das Gewissen Alarm und schreit laut: "Schlecht, schlecht, das darfst du nicht." Hier setzt das Zelebrieren ein. Wenn ich merke, dass mir etwas gut tun würde und es dann für mich umsetze, genieße ich das. Ich feiere es!

Ich habe null Energie und kann deswegen keinen großen Spaziergang machen? Hey – ich kann mich an den PC setzen und daddeln oder surfen! Oder ich kann etwas lesen – cool! Ich kann mich auch hinfläzen und das total genießen! Ich feiere die Möglichkeit, die ich in dem Moment gerade habe.

Der ein oder andere Mag nun denken: 'Das ist aber egoistisch!' Das ist nicht egoistisch. Das Tolle daran ist, dass es umso mehr Freude macht hinterher/ein anderes Mal etwas für andere zu tun. Ich entscheide mich, was und wie ich es tue. Und wenn ich etwas tue, dann tue ich es mit Freude und Überzeugung.

Wie etwas weiter oben zu lesen: Ich versuche für das, was gerade kommt etwas zu tun, und nicht zu denken etwas dagegen tun zu müssen.

Wie ich oben schon schrieb, ist die bewusst verwendete Zeit das was mir Freude bereitet. Dabei ist es mir nicht wichtig, wie lange diese Zeit noch dauern oder nicht dauern wird.

Habe ich Hobbys oder irgendwas, dass mich am Leben hält?

Ja, die habe ich tatsächlich. Einige sogar. Aber keines davon muss ich immer ausüben oder mir selbst dabei einen Leistungsdruck auferlegen. Die Hobbies erhalten mich nicht am Leben – so schön sie auch sind. Sie müssen weder zwanghaft noch automatisch ausgeführt werden.

Es macht mir z.B. mittlerweile viele Freude Schlüsselanhänger zu erstellen und ich sehe es nicht mehr nur als 'schlechten' Ersatz für die Malerei. Am PC bei Cities Skylines eine Stadt zu bauen und zu kreieren sehe ich nicht mehr unter dem Gedanken: "Du verschwendest deine Zeit mit einem unnützen Computerspiel." Ich sehe es als etwas, dass ich mit Freude für mich tue. Und anstatt dessen, dass Dinge mir Kraft rauben, lasse ich durch diese Herangehensweise zu, dass sie mich stärken.

Das ganze deckt sich übrigens durchaus mit meinen biblisch begründeten Glaubensüberzeugungen. 'Alles was du tust, tue mit Freude', 'Für alles gibt es eine Zeit', 'Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!' und 'den anderen höher achten als uns selbst' sind nur ein paar Sätze, die ich da anführen möchte.

Es bedeutet auf sich selbst liebevoll zu achten sowie das in dem Moment passende mit Freude zu tun und dann auf andere so liebevoll Rücksicht nehmen, wie es ihnen zusteht.

Wenn ich die Reihenfolge einfach umkehre, das Wohl anderer pauschal über mein eigenes Stelle und meine Bedürfnisse nicht beachte, werde ich über kurz oder lang die Freude verlieren (= Selbstaufgabe bzw. vollständige Fremdbestimmung [100% Wal]). Wenn ich alles nur aus dem Gedanken heraus mache nur auf mich selbst zu achten, werde ich auf lange Sicht andere Menschen nicht mehr gut behandeln (= Egoismus bzw. komplette Selbstbestimmung [100% Hai]). Wenn ich nur die Freude im Fokus habe, werde ich Anstrengungen vermeiden und somit auf eine andere Art und Weise egoistisch werden (= Die sogenannten Party-People [100% Delfin]). All das kann man ja zu genüge in der heutigen Gesellschaft sehen.*

Ich besuche Ältere im Altersheim: Das bereitet mir Freude und stärkt mich. Dass ich dafür mit dem Bus fast 45 Minuten eine Richtung fahren muss und dort zu den Zeiten im Regelfall Jugendliche im Bus sind, die eine Sprache an den Tag legen, die vor Trigger-Wörtern nur so strotzt, ist mir im Vorfeld bewusst. Aber ich mache mich da nicht mehr verrückt. Wenn ich nun im Bus solche Worte höre, bin ich in der Lage sie ganz bewusst an die Seite zu schieben – mitsamt der sie aussprechenden Person. Diese Person entferne ich gedanklich aus meinem Umfeld – und lasse sie zu Fuß laufen. Ja, das ist mit gewissen Konzentration und einer Entscheidung verbunden. Der Entscheidung nicht in Panik zu geraten wie früher. Und dann kommt die Vorfreude wieder stark ins Bewusstsein: 'Gleich werde ich bei dieser lieben alten Glaubensschwester sein und zudem diesen netten älteren Herrn wiedersehen.' Es ist nicht anstrengend so zu denken, sondern es erleichtert ungemein.

Ich bin gerne mit meiner Frau zusammen, erlebe mit ihr jede Art von Momenten. Und ja, sie ist oft mein Rückhalt, wenn es zu Situationen kommt, die mich sehr stark fordern. Ich lebe extrem gerne mit ihr und tue ultra-gerne etwas für sie. Ja, sie hat mir geholfen mich in ganz schweren und dunklen Zeiten ans Leben zu klammern. Und auch meine Kinder haben da sicher einen großen Anteil gehabt.

Was mich aber tatsächlich unabhängig von Personen oder Umständen am Leben erhält ist mein Glaube. Ein Glaube, den ich mir über Jahrzehnte selbst erarbeitet habe. Ein Glaube, den ich durch Nachforschungen zu meiner Überzeugung machen konnte. Denn Glaube bedeutet im ursprünglichen Sinne nicht etwa 'nicht Wissen', sondern eher: "Die absolute Gewissheit, dass etwas, dass man (noch) nicht sehen kann, sich auf eben diese Weise verhält."

Die wenigsten dürften schon mal einen Starkstromschlag abbekommen haben (Gut so!). Dennoch sind wir überzeugt, dass ein solcher Stromschlag gewisse – wahrscheinlich massive -Auswirkungen auf uns haben würde und packen daher nicht mit dem Finger an ein stromführendes Kabel. Wieso? Weil wir alle es von den Eltern oder in der Schule gelernt haben, dass Strom existiert und dass er mit Vorsicht zu genießen ist. Ich habe noch keinen getroffen, der der Überzeugung ist, Strom existiert nicht, nur weil er noch keinen Stromschlag abbekommen hat. Die durchaus positiven Auswirkungen von Strom nehmen wir wahr, das auf jeden Fall. Und daher sind wir überzeugt – ja wir glauben, dass es Strom gibt. Und selbst, wenn ich nicht weiß, ob ein Kabel Strom führt und keine Möglichkeit habe das sinnvoll zu testen, würden wohl die wenigsten einfach mal ans Kabel packen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass es in naher Zukunft gravierende Veränderungen geben wird. Veränderungen, die dazu führen, dass wahrer Frieden und Sicherheit herrscht. Daran glaube ich. Mit einer solchen Gewissheit, wie ich daran Glaube, dass es Strom gibt. Warum? Weil ich intensiv studiert habe aufmerksam das beobachte, was um mich herum geschieht.

Oder hast du ein Lebensziel fernab von Trauma und Heilung?

Die Antwort auf diesen Teil der Frage ist genau auf der vorher genannten Überzeugung beruhend. Mein Lebensziel ist es in völliger Ausgeglichenheit und Harmonie, in echtem Frieden und Sicherheit zu leben. Schon jetzt damit anzufangen, sowohl auf sich, als auch andere zu achten. Schon jetzt Dinge mit Freude zu tun. Und mir die Zeit zu nehmen für Dinge und Gedanken, die mir aus einer ausgeglichenen Ansicht heraus wichtig und wertvoll sind.

Denn ich glaube, dass nicht erst zu dieser Zeit, wenn der Frieden tatsächlich erreicht ist, die Menschen, die gelernt haben ausgeglichen und achtsam zu sein für sich und andere ganz wertvoll sind. Ich bin überzeugt, dass dies bereits jetzt der Fall ist.

Ich habe sicherlich noch vieles zu lernen und möchte das auch. Aber selbst meiner Frau fällt auf, dass ich ein großes Maß an Gelassenheit aufweise. Wenn Dinge mal nicht rund laufen, passiert es aber schon noch, dass ich einen (immer kürzer werdenden) Moment bauche, um mich wieder in die Gelassenheit zu bringen. Wichtig ist auch, dass Gelassenheit nicht mit Lethargie verwechselt werden darf. Denn ich bin sehr aktiv – tue viele unterschiedliche Dinge im Rahmen dessen, was mir möglich ist. Anders als in der Vergangenheit, als ich mir meine Sichtweise noch nicht vollständig erarbeitet hatte. Anders als damals, als ich keine Verantwortung für mich selbst und mein Handeln übernehmen konnte und wollte.

Ja, ich habe im Vergleich zu 'gesunden', 'unbelasteten' Menschen gewisse 'Einschränkungen'. Aber muss ich mich im Vergleich mit anderen sehen?

Ich bin ich – ich habe eigene Bedürfnisse, Wünsche, Hoffnungen und es gibt auch noch Dinge, die mir Sorgen bereiten oder sogar Angst machen. Das ist aufgrund meines Erlebten absolut nachvollziehbar. Aber ich lerne auf mich zu achten und meine Fähigkeiten und Möglichkeiten nicht mehr als Einschränkungen zu sehen.

Kann ich nicht die Anderen so sein lassen wie sie sind, obwohl ich der Überzeugung bin, dass eine andere Herangehensweise sinnvoller wäre? Kann ich nicht anders sein als die Anderen, die der Meinung sind, ihr Weg wäre der 'bessere'?

Klar kann man sich über diese Dinge bis zu einem gewissen Grad austauschen – aber letztendlich bleibt es jedem selbst überlassen, wie er an die Dinge herangeht.

Wer meint doch in die Steckdose packen zu müssen, weil er sonst nicht an die Gefährlichkeit von Strom glauben kann, dem kann ich nur sagen, dass ich einer anderen Meinung bin. Ich werde deswegen meine Meinung nicht aufgeben und ich werde ihn nicht zwingen, seine Meinung zu ändern. Ich empfehle nur, es nicht zu probieren.

Mag sein, dass viele meinen Weg für utopisch, unrealistisch oder gar idiotisch ansehen. Auch das Recht haben diese Menschen. Mein Weg ist der für mich passende – und ich habe Menschen gefunden, die einen sehr ähnlichen Weg auf ihre individuelle Weise gehen. Auf sich achtend, auf andere achtend und mit Freude Liebe an den Tag legend.

In diesem Sinne: Habt Freude! 😊💜

Chamëleon

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